Bonjour á Paris – Das „Making of“ zum Buch

Anfang Oktober kamen zwölf Top-Friseure aus aller Welt zum Fotoshooting nach Paris. Eingeladen hatte L’Oréal Professionnel, um ein Buch über internationale Brautfrisuren zusammenzustellen. Neben André Märtens für Deutschland wurden von L’Oréal Professionnel eingeladen: Royston Blythe, Nick Malenko (England), Lee So Young (Korea), Eva Scrivo (United States), Lorena Morlote (Spanien), Charles Veygas (Brasilien), Laurent Decreton (Frankreich), Xukai (China), Hiroyuki Obayashi (Japan), Ambika Pillai (Indien) und Salvo Filetti (Italien).
Nachdem ich Sonntagabend bei strömenden Regen in Paris ankomme, empfängt mich meine Agentin im Hotel. Wir hatten uns verabredet noch ein Paar Details für das Shooting und kommende Aufgaben zu klären.
Wir gehen ins „La Cantine du Faubourg“, einem sehr schicken Restaurant in der rue Montmartre und haben gute Gespräche in angenehmer Atmosphäre. Ich bin etwas nervös und kann nicht verleugnen das mich der anstehende Termin sehr beschäftigt.
Ich stehe zwar nicht in einem Wettbewerb mit den beteiligten Friseuren wenn es um die Erstellung der Frisuren geht, aber der Druck, Anspannung und die Erwartungshaltung sind hoch und es wird für so eine Produktion sehr viel Geld ausgegeben, zudem werde ich in dem Buch Deutschland repräsentieren.
Erst eine Woche zuvor wurde dieser Termin an mich herangetragen, ich hatte also nicht viel Zeit, mir Gedanken zu machen.
Ich schlafe nie gut vor Aufgaben dieser Art, also wache ich noch vor meinem Wecker auf. Rund vier Stunden Schlaf müssen reichen, ein kurzes Frühstück, 20 Minuten Taxifahrt und eine sehr steile Treppe ins Fotostudio. Dann wird es ernst.
Meine britischen Kollegen traf ich vor der Tür des in einer kleinen Seitestraße im Süden von Paris gelegenen Studios. Alle Kollegen sind sehr umgänglich – aber was werden sie machen? Ich habe keine Ahnung, wie sie arbeiten und welche Frisuren meine Kollegen zeigen werden. Mein Model, sehr hübsch, kannte ich nur von ein paar Polaroids. Ihren etwas unaussprechlichen Namen Dierdre kürzten wir sofort mit ’Die’ ab. Woher kommst Du, bist Du nur für diesen Job in Paris? Das erste Kennenlernen ist erfreulich überstanden.
Der Make-up Artist hatte sich in der Zeit vertan und kommt zu spät. So bittet man uns, schon mit den Vorbereitungen zu beginnen.Wir packen unser Equipment aus und richten den Arbeitsplatz ein. Der Engländer, mit einen sehr großen Koffer ausgestattet, häuft relativ ungeordnet zahlreiche Haarpolster, Unterlagen, hunderte von unterschiedlichen Haarnadeln, Klemmen sowie diverse Lockenstäbe Heizwickler und andere Haarfoltergeräte auf seinem Arbeitstisch an. Meine Ausstattung, zwei Lockenstäbe, Clips und Kämme sind im Gegensatz dazu relativ bescheiden. So ein Fotostudio bietet viel Platz und Raum. Alles versammelte sich wie in einem Auditorium um uns herum und erwartet mit Spannung, was wir machen. Auch wir beobachten uns gegenseitig aus dem Augenwinkel.
Von meiner Erkältung noch nicht endgültig kuriert und die Aufmerksamkeit auf meiner Seite, steigt die gefühlte Temperatur auf 90 Grad. Ich wickel Passée für Passée die Minilocken. Mein Hemd ist nach zwanzig Minuten nicht mehr zu gebrauchen – also Ölwechsel! Meinem britischen Kollegen erging es ähnlich, allerdings hatte er es sich mit seinen Vorbereitungen etwas leichter gemacht und sah deshalb auch noch besser aus. Schneller fertig, begann der Engländer seine Frisur vor laufenden Kameras zu erarbeiten. Ich schaute mir den Frisurenaufbau bis zu dem Moment an, an dem ich selbst ins Make up gerufen wurde. Fünf Minuten später war ich wieder zurück und der Engländer hatte seine erste Frisur schon fertig. Gut Vorgelegt!

Ehe ich mich versah, stand ich selbst unter dem Studioaufbau. Was nun folgte musste gut durchdacht sein, Handgriff für Handgriff wurde alles mitgefilmt. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich entspannter. Das Team war locker und ich gut vorbereitet. Es sind immer die Vorarbeiten, die darüber entscheiden, ob das Ergebnis gut wird. Gefilmt wurde der Look von drei Kameras. Eine Kamera filmte die Gesamtsituation, eine weitere fokussierte jedes Detail meiner Arbeit, und eine war oberhalb an der Deckenkonstruktion aufgehangen. Auf Spiegel wurde wegen der vielen Kameras verzichten. Das Gefühl für die Zeit, die man arbeitet, ist von dem Moment an nicht mehr abschätzbar.
Ich begann die Haare im Nacken auszukämmen, toupierte alles, platzierte das Haarpolster und machte meinen Einschlag – doch in dem Moment stutzte ich: ich hatte etwas zu viel Haar einer Seite für den Aufbau verwendet. Ich entschloss mich aber, weiter zu machen. Ohne Spiegel fehlt einem der Blick für die Proportionen. Ich mache einen Schritt zurück und sehe mir die Frisur mit etwas Abstand an – alles war gut.
Außer dem Spiegel fehlte mir besonders ein Arbeitswagen, zeitweise war es eine akrobatische Herausforderung, meine Werkzeuge, Haarnadeln und Hände zu koordinieren. Man ist nicht immer gleich gut drauf, und nach einer kurzen Nacht ist Kreativität kurz nach 8.00 Uhr morgens absolut formabhängig. Aber es lief wie von selbst, die Zeit verging wie im Fluge und die Frisur leicht von der Hand.

Wohlwollend nahm man ’Die’ mit zum eigentlichen Set. Kleid und Schmuck wurden ausgesucht und das Make up festlich aufbereitet.
Die Fotografin Coco war noch mit dem Model des Briten beschäftigt, so konnte ich schon sehen wie sie arbeitet. Um das Fotoset bewegten sich fast 20 Personen. Zwischen den aufgestellten Fotowänden korrigierten die Fotoassistenten das Licht, während ein Kreativer schon mit der Bearbeitung der Bilder zu tun hatte. An einem Arbeitstisch wurden Blumen und Formen für Schattenmotive ausgearbeitet, die den Bildern als Hintergrund dienen sollen.
Jetzt war meine Braut von Kopf bis Fuß eingekleidet. Mit dem zweiten Blick auf meine Frisur und dem passenden Outfit war ich sehr zufrieden. Die Fotoaufnahmen gingen schnell. Mein Model war höchst professionell, mit minimalen Posen veränderte sie ihr Aussehen im Sekundentakt. Coco, die Fotografin, war so schon nach ca.15 Minuten mit ihren Motiven fertig.
Jetzt folgte eine ziemlich lange, für so ein Shooting eher ungewöhnliche Pause. Während ich mich schon mental mit meiner zweiten Frisur beschäftigte, gab es kaltes Hühnchen mit Senf und Lasagne. Ich bin solche Unterbrechungen nicht gewohnt. Sie bringen mich eher aus dem Rhythmus, als dass ich mich entspannen könnte.
Am Nachmittag begann alles wieder von vorn. Als Erstes sollte aber das „Making of“ der Frisur gedreht werden. Die Haare von meinem Model mussten zuvor gründlich ausgebürstet und Haartressen und Handwerkszeug bereit gelegt werden. Mit ihren restlichen Locken vom Vormittag konnte ich gut weiterarbeiten. Nach ein paar aufwändigen Einstellungen des Filmteams war auch diese Frisur im Kasten. Die Stylistin hatte für die Frisur ein weißes Haarband aus Margaritenblüten vorgesehen, das aber leider nicht über die Frisur passte. Ich schlug vor, das Band einfach am Gummizug aufzuschneiden. Bei einem Preis von fast 1000 Euro fand ich für meine Idee aber kein Verständnis und mir wurde abgeraten. Das Risiko, es nicht wieder korrekt in den Urzustand versetzen zu können, war zugegebenermaßen ziemlich groß. Also zogen wir zu zweit das Band so weit wie es ging auseinander und streiften es über die Frisur, die sich wie befürchtet, dabei etwas auflöste. Mit ein paar Handgriffen war alles gerichtet.

Das Shooting wurde nun mit der neuen Frisur, neuem Kleid und neuem Schmuck fortgesetzt. Derweil wechselten auch die Briten wieder das Set. Die Atmosphäre glich einem Bahnhof zur Hauptverkehrszeit: Fotografin, Assistenten, Kreative, Produktioner, Stylisten, Visagist und weitere Mitarbeiter gaben sich noch neben den Friseuren ihr Stelldichein.
Ich entspannte mich langsam wieder und sah mir die ersten Bilder auf dem Rechner an, der die Aufnahmen der Fotografin fast simultan zeigte. Alles versammelte sich um das Set und beobachtete das Geschehen. Ich war beeindruckt, wie perfekt sich das Model inszenierte. Und es ging wohl nicht nur mir so: Der Ruf „Perfect!“ von Coco beendete das Foto-Shooting für mich und mein Model. Meine Agentin, das Team und nicht zuletzt besonders ich waren wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. Jetzt war ich doch erleichtert, dass es vorbei war. Am Ende eines solchen Tages muss ich das Geschehen immer erst noch eine ganze Weile verarbeiten. Das Buch erscheint im Frühjahr 2011 und ich bin natürlich gespannt wie es als ganzes gelingt. Mehr dazu dann wieder an dieser Stelle…
Colin
Das Facebook Like Button Plugin waere stark. Oder habe ich es uebersehen?
Okt 16, 2011 @ 19:19
admin
Der Button wir momentan aktuallisiert..
Wird jedoch in einigen Tagen wieder aktiv sein…
Mit freundlichen Grüßen
Das Blog Team
Okt 16, 2011 @ 19:35
Martin
Hast du noch weitere Informationen dazu ?
Okt 16, 2011 @ 19:45
admin
Welche Informationen benötigen Sie?
Mit freundlichen Grüßen,
Das Blog Team
Okt 16, 2011 @ 20:39